Lofers Erwachen

Vom kranken Ort zum Gesundheitsdorf

Ist der triste Ortskern bald Vergangenheit? Filmprojekte sollen Lofer neues Leben einhauchen und zum "Gesundheitsdorf" befördern.

Lofer Mehrere Hotels, Gasthäuser und Betrieben schlossen in den vergangenen Jahren im Ortskern von Lofer ihre Pforten. Von "Geisterdorf" wurde gesprochen, von nicht wenigen der Unternehmer Martin Herbst als "Schuldiger" geortet. Er gab den PN nun seine Pläne bekannt: "Lofer soll zum Gesundheitsdorf werden."

"Gesunde Geschäfte" können sich die Loferer bald wieder erwarten, wenn es nach Martin Herbst geht. Er hatte nach und nach Häuser im Zentrum von Lofer gekauft - und geraume Zeit leer stehen lassen. Vom "sterbenden Dorf" und "Geisterdorf" wurde von Einheimischen gesprochen. Niemand wusste, was Herbst mit den Objekten vor hat. Nun gab er seine Pläne bekannt: "Ich möchte aus Lofer ein Gesundheitsdorf machen." Und das innerhalb der kommenden fünf Jahre. Der Gasthof Post soll ein Wellnessbereich werden, der eine Therme beinhaltet, das Hotel Bräu eine "Beautyanstalt" mit exklusiven Suiten.

Hotel Post Bereits vor Jahren hatte Herbst eine Bohrung nach Thermalwasser durchgeführt und ist nach eigenen Aussagen auf dem Grund des Gasthofs Post fündig geworden. "Wir mussten gar nicht tief gehen, dann sprudelte es schon. Wir haben eine sensationelle Schüttung von 60 Liter pro Sekunde und das bei ausgezeichneter Wasserqualität" Nur die Temperatur von 9 bis 14 Grad Celsius sei nicht allzu großartig. Aber Therme im herkömmlichen Sinne wolle er ohnehin keine machen. Der Glaube daran sie ihm von den Projektbetreibern in St. Martin genommen worden. "Da wollte ich mich beteiligen, habe aber schnell erkennen müssen, dass es mit ihnen nicht geht."

Projekt-Kosten: 15 bis 25 Millionen Euro

Erschwerend sei dazu gekommen, dass die Gemeinde Lofer ihn mehrmals angezeigt habe. "Ich wurde überall blockiert", sagt Herbst. Dennoch habe er sich hinter ein eigenes Projekt geklemmt und für dessen Realisierung auch zwei Betreiber gefunden. "Das kann ich alleine natürlich nicht finanzieren." Die Kosten für das Projekt liegen laut Herbst zwischen 15 bis 25 Millionen Euro.

Lofer Um Lofer ein Image in Richtung "Gesundheitsdorf" zu verschaffen, ist der umtriebige Unternehmer auch im Bereich Film aktiv geworden. Rund 150.000 Euro investierte er bis jetzt, um Filmcrews nach Lofer zu bringen. Im Vorjahr wurde eine erste Folge der "Alpenklinik" mit den Stars Maximilian Schell und Erol Sander gedreht. Die Erstausstrahlung im ARD Anfang Mai sahen 6,66 Millionen Zuschauer (Marktanteil von 19 Prozent). Danach war klar: "Es wird eine Serie daraus werden, die sicherlich fünf Jahre lang laufen wird", so Herbst. Dem nicht genug werden ab August in Lofer - und Umgebung - auch zwei Ausgaben der "Weißblauen Geschichten" gedreht.

August bis September: Filmfestspiele in Lofer

Das Fundament für eine "Belle Epoque" - wie sie Lofer einst zu Sommerfrische-Zeiten erlebt hatte - soll damit Ihre Renaissance erfahren, wenn es nach dem Unternehmer geht: "Ich würde das, was sich in der Zeit von Anfang August bis Mitte Oktober abspielt, geradezu als "Filmfestspiele in Lofer" bezeichnen. In hoher Konzentration werden sich hier Größen der deutschsprachigen Filmbranche ein Stelldichein geben. Ein solches Staraufgebot zur Hauptsaison hat es sicher noch in keiner Pinzgauer Gemeinde gegeben." Ruth Drexel, Wolfgang Fierek, Erol Sander und Oskar-Preisträger Maximilian Schell sind nur einige der Genannten, die ab August im Unteren Pinzgauer Saalachtal ihr vorübergehendes Zuhause finden werden.

Dreharbeiten vor dem Hotel Post Im Schlepptau ist eine zirka 150 Mann starke Film-Crew, von der in den zweieinhalb Monaten Aufenthalt vor allem die Loferer Unternehmen profitieren sollen. Der eine Teil des Teams wird in den Gasthöfen Post und Bräu untergebracht, der andere in umliegenden Beherbergungsbetrieben. An den Einspielergebnissen der Filme sei er nicht beteiligt sagt Herbst, er habe sich jedoch ein "gewisses Mitspracherecht" am Drehbuch - quasi als Gegenleistung für sein Engagement - ausbedungen. "So habe ich vereinbart, dass die Orte und Schauplätze ihre Originalnamen beibehalten, Lofer etwa wird auch in den Filmen Lofer heißen und keine "Alias-Bezeichnung" bekommen. Das ist wichtig für die Corporate Identity und im Hinblick auf den Werbe-Effekt für das Gesundheitsdorf."

Das Projekt "Alpenklinik" ist auf fünf Jahre anberaumt. Mit Hilfe dieses "medialen Vehikels" soll in diesem Zeitraum auch das "Gesundheitsdorf Lofer" aus der Taufe gehoben werden.

Pinzgauer Nachrichten, 13. Juli 2006

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